Die Monarchie kehrt zurück – Der König tanzt 2012
Brot und Spiele – das reichte schon Caesar, um das gemeine Volk zu besänftigen. Doch heutzutage hat der Pöbel Ansprüche. Deshalb gibt’s unter „König Boris“ Lauterbach nicht nur Brot, sondern „Fettes Brot“ – und statt Spielen gibt’s Tickets für die Konzerte der „Der König tanzt“ Tour 2012.
Während frühere Monarchen ihre Untertanen oft gnadenlos ausbeuteten, um sich selbst am Hofe ein Leben in Dekadenz und Überfluss zu genehmigen, geht König Boris da weitaus kundenfreundlicher zu Werke. Mit seinem Soloprojekt Der König tanzt verwöhnt der Mitbegründer der Hamburger Hip-Hop-Combo Fettes Brot die „DSDS“-geschädigte Öffentlichkeit mit Gesangskünsten ganz anderer Kategorie. Während in den Castingshows der Privatsender nach den besten Stimmen gesucht wird, akzeptiert der Hamburger seine gesangstechnische Grottigkeit und kommt über die gesamte Albumlänge seines selbstbetitelten Solo-Debüts (2012) ohne Autotune aus. Eine wahrhaft königliche Leistung – vor allem wenn man bedenkt, dass jeder der zwölf Tracks mit einem absolut ohrwurmtauglichen Refrain ausgestattet ist. Musikalisch tanzt sich König Boris dabei in eine monarchische Mixtur aus partytauglichen Beats, 70er-Discosound und popgeschwängerten Songstrukturen, die dank einer guten Portion Synthiepop auch für die Hipster der Nation bestens geeignet ist.
Wer braucht schon Demokratie? Mit König Boris an der Spitze wäre in Deutschland an jedem Werktag Wochenende. Das Volk würde in die Discotheken strömen und im grellen Neonlicht seinem Lieblingsmonarchen huldigen. Ganz so weit sind wir hierzulande zwar noch nicht – aber zumindest auf den Konzerten der Der König tanzt Tour 2012 wird die Monarchie kurzzeitig wieder eingeführt.